Definition
Für einen Ring R (in der Regel mit 1) ist das Jacobson-Radikal J(R) der Durchschnitt aller maximalen linken Ideale von R. Äquivalent ist es die Menge der Elemente, die alle einfachen linken R-Module annullieren, bzw. das größte quasi-reguläre Ideal unter geeigneten Definitionen.
Prinzip
Prinzip
J(R) misst, wie weit R von Semisimpelheit entfernt ist: Elemente von J(R) wirken auf einfachen Modulen 'unsichtbar', und R/J(R) ist semisimpel (hat kein Jacobson-Radikal ≠ 0). Häufig bestehen Elemente von J(R) als Hindernis für Zerlegungen von Modulen und irreduziblen Darstellungen.
Demonstration
Demonstration
Für den Ring der n×n oberdreieckigen Matrizen über einem Körper ist J(R) genau die Menge der strikt oberdreieckigen Matrizen: diese liegen in allen maximalen linken Idealen und wirken nilpotent auf die einfachen Module, die durch die Diagonalblöcke gegeben sind.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Zu behaupten, das Jacobson-Radikal sei gleich der Menge aller nilpotenten Elemente (dem Nilradikal) für beliebige (nichtkommutative) Ringe, oder linke und rechte Jacobson-Radikale ohne Prüfung als stets identisch zu behandeln, insbesondere in nicht-unitalen Kontexten.
Konsequenz
Konsequenz
Der Quotient nach J(R) ergibt einen Ring mit verbesserten Struktur-Eigenschaften (semisimpler Quotient); Modulfragen lassen sich oft auf R/J(R) zurückführen; viele Zerlegungssätze reduzieren sich auf die Untersuchung von R/J(R).
Umkehrung
Umkehrung
Ist J(R)=0, so hat der Ring keine versteckten Annihilatoren gegenüber einfachen Modulen und heißt semiprimitive; bei semisimplen Ringen ist das Jacobson-Radikal Null und einfache Module trennen die Elemente des Rings.
Abgrenzung
Abgrenzung
Die Definition hängt in nichtkommutativen Kontexten von Links-/Rechtsbegriffen ab und setzt üblicherweise das Vorhandensein eines Einselements voraus. Für Ringe ohne 1 oder in speziellen Modulklassen gibt es Varianten (z. B. oberes/unteres Jacobson-Radikal, topologisches Jacobson-Radikal).
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Jacobson-Radikal vs. Nilradikal: Im kommutativen Fall können sie differieren; das Jacobson-Radikal bezieht sich auf maximale Ideale und einfache Module, das Nilradikal auf Primideale und nilpotente Elemente. In der nichtkommutativen Algebra existieren mehrere konkurrierende 'Radikale' (Levitzki, prim, Baer usw.).
Synthese
Synthese
Das Jacobson-Radikal ist das Ideal der Elemente, die von einfachen Modulen nicht erkannt werden — der Durchschnitt aller maximalen linken Ideale — und stellt das kanonische Hindernis für Semisimpelheit und Trennbarkeit durch einfache Darstellungen dar.